In Murano erkennt man das Glas oft schon am Klang
Als ich klein war, waren es in Murano nicht die Schaufenster, die mich am meisten beeindruckten. Es waren die Geräusche der Glasöfen.
Mein Onkel hatte einen befreundeten Glasbläser nahe der Fondamenta dei Vetrai, und manchmal nahm er uns mit, um ihn zu besuchen. Sobald sich die Tür der Werkstatt öffnete, spürte man sofort die Hitze, hörte das Metall auf der Werkbank, die Werkzeuge und das Glas, das sich langsam drehte und dabei seine Form annahm.
Murano hatte schon immer eine andere Atmosphäre als das Zentrum von Venedig. Bodenständiger, stärker mit der Arbeit verbunden. Morgens füllten sich die Bars früh mit Glasarbeitern, die Fahrpläne der Vaporetti wirkten fast wie Fabrikschichten, und viele Familien lebten seit Generationen rund um die Glasöfen.
Meine Großmutter sagte immer, dass man Glasarbeiter an ihren Händen erkennen könne. Abgenutzt, unglaublich schnell und präzise selbst bei den kleinsten Bewegungen. Als Kind kam mir das seltsam vor, doch mit der Zeit verstand ich genau, was sie meinte.
Was ich bis heute liebe, ist die Stimmung am Abend. Wenn die Besuchergruppen verschwinden, bleiben nur die stillen Kanäle, einige Bewohner vor ihren Häusern und die Lichter, die sich im Wasser spiegeln. Genau dann fühlt sich die Insel wieder wie das Murano meiner Kindheit an.
Wenn man Murano wirklich erleben möchte, sollte man die Hauptwege verlassen und der Insel zuhören. So erinnert man sich am besten an Murano: nicht nur wegen der Glasobjekte in den Schaufenstern, sondern wegen dieser Atmosphäre aus Feuer, Wasser, erfahrenen Händen und kleinen Geräuschen, die noch immer zum Alltag der Insel gehören.



