Wie eine Spitze aus Burano entsteht: die geduldige Kunst der Spitzenklöpplerinnen
Jedes Mal, wenn ich ein Spitzengeschäft auf Burano betrete, beobachte ich zuerst die Hände der Spitzenmacherinnen. Ihre Bewegungen wirken so präzise und selbstverständlich, dass sie fast mühelos erscheinen. Erst nach einigen Minuten erkennt man, wie viel Arbeit hinter jedem einzelnen Stück steckt.
Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Spitzen wird die Burano-Spitze in Nadelspitzentechnik gefertigt. Klöppel werden dabei nicht verwendet. Das Muster entsteht Stich für Stich mit nur einer Nadel und einem sehr feinen Faden. Die Spitzenmacherin arbeitet nach einer Vorlage auf einem Kissen und fertigt das gesamte Muster vollständig von Hand.
Schon ein kleines Deckchen kann viele Dutzend Arbeitsstunden erfordern. Aufwendigere Arbeiten wie Kragen, Tischdecken oder dekorative Paneele benötigen oft Wochen oder sogar Monate.
Über Jahrhunderte wurde dieses Handwerk innerhalb der Familien weitergegeben. Mädchen lernten, indem sie ihren Müttern und Großmüttern zusahen und nach und nach die verschiedenen Stiche beherrschten. Auch heute erzählen viele Spitzenmacherinnen, dass sie genau auf diese Weise begonnen haben.
Ein Besuch auf Burano bietet die Möglichkeit, diese Kunst mit eigenen Augen zu erleben. Zu sehen, wie eine Spitze Stich für Stich entsteht, vermittelt ihren wahren Wert weit besser als jede Auslage. Hinter jedem Faden stehen Zeit, Geduld und die Geschichte einer Insel, die dieses Handwerk zu einem ihrer bekanntesten Wahrzeichen gemacht hat.



