Warum ist der Glockenturm von Burano schief?

Giacomo Berto • August 6, 2026

Wer durch das Zentrum von Burano spaziert, bemerkt sofort den Glockenturm der Kirche San Martino. Seine deutliche Neigung lässt viele Besucher vermuten, dass er einstürzen könnte. Tatsächlich ist die Schieflage das Ergebnis der allmählichen Setzung des Lagunenbodens – ein Phänomen, das im Laufe der Jahrhunderte viele Bauwerke in Venedig und auf den Laguneninseln betroffen hat.

Wie alle Inseln der venezianischen Lagune wurde auch Burano auf einem Untergrund aus Sedimenten, Sand und Ton errichtet. Um dauerhafte Gebäude zu schaffen, entwickelten die Venezianer eine bemerkenswerte Bautechnik: Tausende von Holzpfählen wurden tief in den Boden gerammt, bis sie tragfähige Schichten erreichten und ein stabiles Fundament bildeten.

Der Glockenturm von San Martino, der Anfang des 18. Jahrhunderts fertiggestellt wurde, bildete keine Ausnahme. Im Laufe der Zeit setzte sich der Boden unter dem Turm ungleichmäßig, wodurch sich das Bauwerk langsam neigte, ohne seine Stabilität oder Funktion zu verlieren.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Glockenturm mehrfach gesichert und wird bis heute regelmäßig überwacht. Seine Neigung gilt inzwischen nicht mehr als Mangel, sondern als charakteristisches Merkmal Buranos und als Zeugnis der besonderen Beziehung zwischen venezianischer Architektur und der empfindlichen Lagunenlandschaft.

Von der Piazza Baldassarre Galuppi aus ist die Neigung bereits gut zu erkennen. Entlang der Kanäle verändert sich die Perspektive jedoch ständig: Von manchen Standpunkten wirkt der Turm fast gerade, von anderen erscheint die Schieflage deutlich stärker. Gerade dieses Detail macht Burano so unverwechselbar.

Ein Besuch der Kirche San Martino lohnt sich ebenfalls. Im Inneren befindet sich eines der bedeutendsten Kunstwerke der Insel: die Kreuzigung von Giambattista Tiepolo aus dem Jahr 1727.

Wenn Sie das nächste Mal vor dem Glockenturm stehen, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und schauen Sie nach oben. Seine Neigung ist weit mehr als eine architektonische Besonderheit – sie erzählt von der jahrhundertelangen Beziehung zwischen Mensch und Lagune.

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